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2004 – Noch zur Miete – Ein Haus für 26 Straßenkinder aus Bukom und der erste Besuch aus Deutschland

Geschrieben von: africa Donnerstag, 9. Juli 2015 um 12:41 pm

Harriet gelang es, ein entsprechendes Haus zur Unterbringung der Kinder in einem ordentlichen Stadtteil von Accra anzumieten und die Kindergarten- und Schulplätze in guten Erziehungs- und Ausbildungseinrichtungen zu belegen.

Das hört sich vielleicht einfach an, war aber in Wirklichkeit ein harter Kampf. Denn niemand in Ghana außerhalb des Slums hat Interesse oder die Bereitschaft, den verarmten ehemaligen Straßenkindern eine Chance zu geben.

Neben dieser großen logistischen Aufgabe gründete Harriet zeitgleich in Ghana dem Verein African Angel NGO, gemäß der Vorschriften des Companies Code, 1963 (Act 179), registriert als Association (eingetragener Verein). Als Gründungsmitglied der African Angel NGO fungierte gemäß den ghanaischen Vorschriften, neben Harriet als Vertreterin des African Angel e.V., die Hausmutter Janet Dowetin. Seit 2004 ist Janet, eine ausgebildete Pädagogin, Heimleiterin und vertritt Harriet, solange sie in Deutschland ist. Auch Mama Dora ist eine Hausmutter der ersten Stunde, und sorgt seit über 12 Jahren für die African Angel Kinder wie für ihre eigenen. (Heute haben über 15 Mitarbeiter bei African Angel einen guten und sicheren Job gefunden, neben den Hausmüttern gibt es Wachmänner, Fahrer und Sporttrainer, Menschen, die ohne Harriet vielleicht arbeitslos wären.)

Bei den Vermietern geeigneter Häuser stellte Harriet schnell fest, dass niemand bereit war, sein Gebäude als Kinderheim für Bukom-Slumkinder herzugeben. Darum besann Harriet sich schließlich auf eine List, und mietete kurzer Hand ein Haus für sich und „ihre“ Kinder an. Über die Zahl des Nachwuchses wurde beim Mietvertrag auch nicht gesprochen…. Mit viel Liebe richtete Harriet das Haus ein, und fuhr dann mit einem gemieteten Kleinbus nach Bukom, um „ihre“ 24 Kinder abzuholen.

Und dann hatte Harriet 26 Kinder zu versorgen und in die Schule zu schicken. Warum 26 Kinder? Es hatten sich unbemerkt 2 Kinder zusätzlich in den Bus geschlichen….

Doch zuerst wurden alle Kinder, erstmals in ihrem jungen Leben, einer ärztlichen Grunduntersuchung in einer Privatklinik unterzogen. Bei dieser Untersuchung entdeckten die Ärzte bei drei Kindern lebensbedrohliche Erkrankungen, die sonst nie oder zu spät erkannt worden wären. Die daraufhin sofort einsetzende Behandlungstherapie rettete ihnen das Leben…. (Übrigens, die medizinische Eingangsuntersuchung findet heute noch bei jedem neu aufgenommenen African Angel Kind statt, und imponiert den Kleinen oft so sehr, dass sie Arzt oder Ärztin werden möchten….)

Auch für die erste ordentliche Kleidung sorgte Harriet, einiges an Sachspenden hatte sie ja schon vor Ort, aber für so manchen Kleinen musste der Sonntagsanzug genäht werden. (Bis heute unterstützt Harriet einheimische Näher und Näherrinnen mit Aufträgen für Schuluniformteile und Sonntags-(Kirchen-)Kleider für die Jungen und Mädchen.)

Aber, keine Schule, kein Kindergarten wollte die Kinder aus Bukom aufnehmen, als Harriet sie in den Schulen und Kindergärten der Umgebung anmelden wollte. Das Risiko, diese Kinder unterschiedlichsten Alters, mit hoher Aggressivität und minimalsten Bildungsvoraussetzungen (so sprachen die Kinder zu der Zeit kein Englisch, sondern nur „Ga“ die Sprache Bukom s) aufzunehmen, schien allen Schul- oder Kindergartenleitern viel zu hoch. Verzweifelt lief sich Harriet die Hacken ab, doch wie immer, schaffte sie es am Ende doch!

Kurz vor Ende „ihres Urlaubs“ konnte Harriet mit dem stolzen Gefühl aus Ghana abreisen, dass die unter 6Jährigen den Bethel-Kindergarten (einen der angesehensten Kindergärten Accras) besuchten, und alle anderen auf der Christ Preparatory School die Schulbänke der 1.Klasse drücken würden.

Harriet begleitete ihre Kinder selbstverständlich an diesem besonderen Tag der Einschulung. Doch ganz bestimmt hätte Harriet es sich nicht träumen lassen, dass vier ihrer Schützlinge 12 Jahre später ihr erstes Studienjahr beginnen würden….

Nach Harriet s Rückkehr nach Deutschland fing eine harte Zeit an, denn sie war ganz alleine für den monatlichen Unterhalt des Hauses und die dreimal jährlich anfallenden Schulgebühren verantwortlich. Wie stolz war Harriet darum gewesen, den Zahlungsbeleg der ersten Schulgebühren in den Händen zu halten!

Wieder in Düsseldorf, musste sie ihre Stunden als Toilettenfrau noch erhöhen, nutzte aber auch die Gelegenheit, vielen Menschen von „ihren“ Kindern aus Bukom zu erzählen und Paten zu werben. Nebenbei war sie für die Vereinsverwaltung zuständig. Doch langsam aber sicher wuchs ihr Werk.

Zuletzt aktualisiert am 23, September 2015 at 12:15 pm Weiterlesen