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Sogar die Medien interessierten sich für unseren James

Geschrieben von: africa Donnerstag, 17. August 2017 um 6:42 am

Das „Weilburger Tageblatt“ schrieb am 11.8.17:

Das Tellergeld macht den Traum wahr.

Zusammenarbeit: „African Angel“ James Brown Quaye besucht seinen Paten Helmut Löhn.

WEILBURG:

James Brown Quaye stammt aus Ghana. Er studiert in Kiew Agrar-wissenschaft. Und er hat kürzlich seinen Patenvater Helmut Löhn in Weilburg besucht. Das war sein erster Besuch in Deutschland.

Gäbe es nicht Harriet Bruce Annan und „African Angel“, würde der heute 27-Jährige vielleicht nicht mehr leben. Er wäre krank oder arbeitslos. Quaye stammt aus dem Elendsviertel Bukom, seine Eltern sind sehr arm.
Sein Vater arbeitet auf einer kleinen Farm in einem Vorort Bukoms. Der junge James hatte das Glück, dass ihn Harriet in ihrem Kinderheim in Bukom aufgenommen und sich liebevoll um ihn gekümmert hat.

Auch Harriet hat eine besondere Geschichte.1990 kam sie mit ihrem Ehemann nach Deutschland. Bald musste die gelernte Programmiererin vor ihrem prügelnden Mann in ein Frauenhaus fliehen. Danach nahm sie eine Stelle als Reinigungskraft bei der Messe in Düsseldorf an. Sie hat aber nie ihr Ziel aus den Augen verloren, Slumkindern in Bukom zu helfen. Sie sammelte ihr Trinkgeld, bis 5000 Euro zusammenkamen. Dieses Tellergeld wurde 2004 zum Grundstock für ein Kinderheim in Ghana.

James kam mit 25 anderen Straßenkindern ins Heim – eine große Chance Harriet mietete ein Haus in einem guten Viertel von Accra an. Hier wohnte James mit 25 ehemaligen Straßenkindern. Inzwischen gibt es drei Häuser, in denen 100 ehemalige Slumkinder leben. Hier bekommen alle Kinder gute Verpflegung, einen strukturierten Tagesablauf und eine gute Schulbildung. James lebte sechs Jahre in dem Heim. Er nennt Harriet „Mama“. Er machte Abitur, studiert seit drei Jahren in Kiew und macht nächstes Jahr seinen Bachelor. Dann will er auf jeden Fall wieder in seine Heimat zurückkehren. „Dass er in Kiew studiert, hat einen einfachen Grund. In Ghana werden Studienplätze unter der Hand vergeben“, erklärt Löhn, der den Verein „African Angel“ seit zehn Jahren unterstützt. Als die Pateneltern von James abgesprungen sind, ist Löhn eingesprungen und bezahlt seitdem 60 Euro monatlich für sein Patenkind.

„Damals war ich im elften Schuljahr“, sagt Quaye. Bevor er im Heim aufgenommen wurde, hätten er und seine Familie oft nicht gewusst, was sie mittags oder abends essen sollten. Es habe eine Perspektivlosigkeit geherrscht, und sie hätten alle unter der katastrophalen Armut gelitten. „Die Armut kommt daher, dass wir eine völlig asoziale Weltwirtschaft haben, die armen Ländern keine Chance gibt“, meint Löhn.

Auf den Verein ist Löhn aufmerksam geworden, als er eine Reportage über Harriet und ihr Engagement im Fernsehen gesehen hat. Und er hat sich dafür entschieden, sich dort einzu-bringen. Der Verein habe die Philosophie, dass alle Kinder eine Schulbildung bekommen. Wer kann, sollte studieren, um dann wieder nach Ghana zurückzukehren, um dort seine Fähigkeiten einzusetzen.

„Würden die Studenten in Deutschland studieren, wollten sie wahrscheinlich nicht mehr nach Afrika zurück, ist Harriets Ansicht“, sagt Löhn, der von James liebevoll „Daddy“ genannt wird. In der Ukraine sei es preiswert, dort koste ein Studium im Jahr 5000 Euro.
Zusammen mit acht Schwestern und Brüdern ist James im Moment in der Ukraine. „Wir mussten erst einmal Russisch und Ukrainisch lernen, aber in acht Monaten haben wir die Sprachen gelernt“, erzählt der 27-Jährige. Manche Menschen seien in der Ukraine nicht sehr freundlich, seine Kommilitonen jedoch schon. Er habe zwei sehr gute russische und zwei afrikanische Freunde, die ihm beim Sprachenlernen geholfen haben.

Es sei das erste Mal, dass ein Kind zu einem Paten nach Deutschland kommt. Wobei es nicht einfach gewesen sei, ein Visum zu bekommen. Im vergangenen Jahr hätte die deutsche Behörde seinen Aufenthalt abgelehnt. Deshalb hat Löhn ihm in diesem Jahr einen Praktikumsplatz an der Uni in Gießen vermittelt.

Nach dem Bachlor will der Mann unbedingt zurück, um Kindern zu helfen Von den drei Wochen Aufenthalt in Weilburg hat James zwei tagsüber an der Uni verbracht. Den größten Unterschied zwischen Deutschland und Ghana sieht James beim Wetter und bei der Bewirtschaftung der Felder. In Ghana gebe es nur kleine Flächen und keine Maschinen. „Hier gibt es viele gute Dinge. Alles ist in Ordnung, das Essen ist exzellent“, meint der junge Mann. Noch ein großer Unterschied zu seiner Heimat – neun von zehn Bussen fahren in Deutschland halb leer durch die Gegend – in Ghana seien die immer rappelvoll. Die Gast-freundschaft sei in Ghana größer als in Deutschland, das sei ihm auch noch aufgefallen.

„African Angel“ habe ihm eine Chance gegeben und habe alles für ihn getan. Er möchte nach dem Studium auf jeden Fall zurück in seine Heimat und daran arbeiten, die Lebensbedingun-gen der Kinder zu verbessern. „Ghana ist mein Herz, und ich möchte etwas zurückgeben“, meint James. Ginge er nicht zurück, würde er sich wie ein Verräter fühlen.
Wenn er den Bachelor in der Tasche hat, kann James beim Gouvernement eine Zusatzausbildung machen, dann könnte er für den Staat arbeiten. Zudem hat der Verein 3,4 Hektar Farmland bei Accra gekauft, die James bewirtschaften soll, um mit dem Ertrag Hotels zu beliefern. Und um den Kindern, die nicht studiert haben oder kein Abitur machten, eine Arbeit zu geben.

Seine Zeit in Deutschland habe James sehr genossen. Sein „Daddy“ hat auch dafür gesorgt, dass er allerhand sehen konnte. Mit der Fußballmannschaft Niedershausen/Obershausen durfte er auf dem Sportplatz trainieren und wurde von den Fußballern sehr herzlich aufgenommen, erzählt Löhn. Das zeige wiederum, dass Mannschaftssport verbindet, auch über Grenzen hinweg. Nach Deutschland wird James wohl nicht mehr kommen. „Wenn es meine Zeit zulässt, fliege ich zu seinem Abschluss nach Kiew“, sagt Löhn.

Das „Weilburger Tageblatt“ schrieb einen großen Artikel über den Aufenthalt von James.

Zuletzt aktualisiert am 17, August 2017 at 6:49 am Weiterlesen