Harriet Bruce Annan

Sie möchten Harriet zu einer Lesung, z.B. Schule oder Kirchengemeinde, oder zu einer Veranstaltung einladen? Bitte kontaktieren Sie uns, Tel 0211 55041876 oder email info@african-angel.de.
Vom ‚Tellergeld‘ zum Bundesverdienstkreuz

Die unglaublichsten und spannendsten Geschichten schreibt immer noch das Leben: Am 19. Dezember 1965 bringt Victoria LankaiLamptey in Afrika ein Mädchen zur Welt, das auf den Namen Ani-Agyei getauft wird.Am 7. März 2013, also mehr als 47 Jahre später, überreicht Bundespräsident Joachim Gauckbesagter Ani, die jetzt Harriet Dansowaa Bruce-Annan heißt, das Bundesverdienstkreuz für soziales Engagement. Von Ghanas Hauptstadt Accra über Düsseldorf als African Angel ins Berliner Schloss Bellevue –ein mehr als ungewöhnlicher Weg, der längst noch nicht beendet ist.

„Ehemalige Putzfrau bekommt Bundesverdienstkreuz“  heißt eine Überschrift der Rheinischen Post (rp online) am 8. März 2013. Und die Redaktion schreibt weiter: „Mit ihrem Verein ‚African Angel‘ fördert die ehemalige Toilettenfrau unter anderem die schulische und berufliche Ausbildung von sozial benachteiligten Kindern in West-Ghana.“ Hinter diesen nüchternen Zeilen verbirgt sich ein aufreibender und spannender Lebensweg, der erst über viele Umwegezum angestrebten Ziel führte. Wo und wie fing das alles an? Wovon hat Ani-Agyei als Kind oder junge Schülerin geträumt? Ganz bestimmt nicht davon, einmal Ehrengast des deutschen Bundespräsidenten zu sein.

  • Eine strahlende Harriet Dansowaa Bruce-Annan bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes durch Bundespräsident Gauck in Berlin im März 2013…
  • … und in Ghana bestaunen ihre Schützlinge im African Angel Cottage die Bilder von der großen Auszeichnung!

Mit 5.000 Euro Tellergeld :
Ein Haus für 26 Straßenkinder aus Bukom

Im Dezember1990 war Harriet mit ihrem englischen Ehemann, Angestellter der British Forces, nach Deutschland eingereist. Sie wohnten zunächst in einem Hotel inDüsseldorf, zogen dann in eine kleine Wohnung nach Oberhausen um. Als gelernte Programmiererin planteHarriet ein Informatikstudium in Deutschland mit dem Ziel, als Systemanalytikerin zu arbeiten. Aber daraus wurde nichts. Stattdessen musste sie vor ihrem gewalttätig gewordenenEhemann in das Frauenhaus Düsseldorf fliehen, nahm eine Stelle als Reinigungskraft bei der Messe an und putzte in ihrer Freizeit fast zwei Jahrzehnte Toiletten in Altstadt-Lokalen.

Die junge Harriet arbeitete Tag und Nacht, um bedürftigen Slumkindern aus der Ferne die Schulausbildung in Ghana ermöglichen zu können. Die Dankbarkeit und die Briefe dieser Kinder ermutigten sie auch in schwerer Zeit durchzuhalten.

Verbittert und vom Leben enttäuscht? Davon war ihr nichts anzumerken: Wer sie bei einem Altstadtbummel regelmäßig erlebt hat, wird ihr herzhaftes Lachen noch im Ohr haben.Vielleicht waren viele Gäste deshalb auch etwas großzügiger mit dem Trinkgeld, das sie Harriet auf einen Teller legten.Sie hat es fleißig gesammelt, bis rund 5.000 Euro zusammen kamen. Und dieses Tellergeld wurde 2004 zum Grundstock für ein Kinderheim in Ghana.

Harriet und „ihre“ Kinder aus Bukom, damals wie heute ihr Lebensinhalt und zu recht ihr ganzer „Stolz“!

Mit 50 Cent die Welt verändern – und Leben retten

Bald gabendie Stammgäste der Altstadtkneipen, in denen Harriet Dienst tat, ihr den treffenden NamenAfrican Angel. Und sie ermutigten sie, ihr Engagement in einem gemeinnützigen Verein zu organisieren. So gründete Harriet mit einigen Freunden in Düsseldorf den Verein African Angel e.V. und flog mit den 5.000 Euro nach Ghana. In ihrer 2009 erschienenen Biografie „African Angel – Mit 50 Cent die Welt verändern“, beschreibt sie ausführlich, welche Vorurteile und Widerstände sie in dem Slumviertel ihrer Heimatstadt Accra, Bukom, überwinden musste, bevor sie ein Haus für 26 ehemalige Straßenkinder in einem guten Viertel Accras anmieten und einrichten konnte.Vor dem Einzug wurden die Kinder zum ersten Mal in ihrem jungen Leben von Ärzten gründlich untersucht. Dabei entdeckten die Ärzte bei drei Kindern lebensbedrohliche Erkrankungen, die sonst nie oder zu spät erkannt worden wären. Die sofort eingeleitete Behandlung rettete ihnen das Leben.

Harriet und zwei African Angel Mädchen „der ersten Stunde“, heute, nach 10 Jahren, leben sie gesund und glücklich mit einer Zukunft im eigenen Land!

African Angel im Scheinwerferlicht:
Mehr Mitglieder und neue Herausforderungen

Natürlich sollte dieses gelungene Projekt für Harriet Bruce-Annan und ihre deutschen Unterstützer nur ein erster Schritt sein. Um aber für die verarmten Kinder aus Bukom noch mehr zu erreichen, brauchte der Verein mehr Mitglieder – und vor allem weitere Spenden. Hier spielten die Medien eine entscheidende Rolle: Ab Februar 2007 berichteten das WDR-Fernsehen,

die Westdeutsche Zeitung und die Rheinische Post ausführlich über African Angel e.V. - mit dem Erfolg, dass sich viele Menschen meldeten, um die Patenschaft für eines der 26 African Angel-Kinder in Ghana zu übernehmen oder Mitglied in Harriet s Verein zu werden. Auf ihrer Reise nach Ghana im Juni 2007 hatte Harriet die beruhigende Gewissheit im Gepäck, dass alle Kinder durch monatliche Patenbeiträge grundsätzlich abgesichert waren. Und es gab sogar schon eine Paten-Warteliste für neue Kinder! Hatte der Verein bei Harriets Abreise noch überschaubare 19 Mitglieder, so erhöhte sich vor allem durch Fernseh-Reportagen die Zahl der regelmäßigen Förderer bis Weihnachten 2007 auf fast 150!Neue Mitglieder und steigendes Spendenaufkommen
ermöglichten es Harriet, endlich ein eigenes Grundstück mit zwei altersschwachen Gebäuden im Stadtteil Lashebizu erwerben.

Im Jahr 2009 war African Angel in Deutschland so groß geworden, und die Aufgaben in Ghana im African Angel Cottage so zeitraubend, dass Harriet sich auf Vorstandsbeschluss hauptberuflich ihrem Werk widmen konnte. Zumal in diesem Jahr ihre Biografie „Mit 50 Cent die Welt verändern“ erschienen war. Jetzt hatte sie auch die Möglichkeit, in Deutschland Einladungen der Medien wahrzunehmen und Lesungen durchzuführen. Dank ihrer Fröhlichkeit, ihres Optimismus und ihres kompromisslosen christlichen Glaubens ist Harriet ein gern gesehener Gast, der den Zuhörern viel zu sagen hat….

African Angel Cottage schafft ein Zuhause für
100 Slumkinder aus Bukom

Es gelang in kürzester Zeit, die beiden Häuser soweit herzurichten, dass Anfang 2008 der Umzug und die Aufnahme 25 neuer Kinder aus Bukom stattfinden konnte. Am 13. März 2008 wurde das African Angel Cottage im Beisein des deutschen Botschafters Dr. Marius Haas feierlich eröffnet. Kurz darauf entschied sich African Angel e.V. für den Baubeginn eines dritten Hauses:mehrstöckig mit Computerschulungsraum, Bibliothek, Sanitätsraum, Übernachtungsmöglichkeiten für Praktikanten sowie Gästezimmern für Besucher und Paten.

 Harriet baute das 2 ½ stöckige, dritte Haus tatsächlich Stein für Stein, so wie eben die Spenden bei African Angel eingingen. Besonders wichtig für die Finanzierung dieses Hauses war auch Harriet s Erfolg bei „Goldene Bild der Frau“. Die Nominierung und die Verleihung des Leserpreises in 2011 war für Harriet natürlich ein wunderbares Erlebnis, und ein Baufortschritt für das African Angel Cottage in Ghana. Nach über fünfjähriger Bauzeit und der ebenso langen Spendenaktion "Bausteine" konnte Harriet im Oktober 2012endlich die letzten Ausbauarbeiten in dem neuen 3. Haus des African Angel Cottage in Angriff nehmen. Ein Jahr später war es geschafft:Bis auf ein paarFliesen und ein wenig Farbe war das Gebäude fertig – mit Platz für über 40 neue Slumkinder.

  • Ein großer Abend für Harriet im März 2011!
  • …..wichtige Hilfe zur Fertigstellung des neuen Hauses! Heim für über 50 ehemalige Slumkinder, und Arbeitsplatz für Harriet und das African Angel Erzieherteam vor Ort!

Im Oktober 2012 feiert African Angel e.V. mit seinen Mitgliedern „10 Jahre African Angel“. Ein guter Grund für Harriet, bei der Feier in Düsseldorf der afrikanischen Tradition des Trommelns zu folgen!

Und die Zukunft?

Harriet hat keine Lust, sich auszuruhen. Sie hat viel geschaffen, aus ihrem tiefen Wunsch heraus, die schlimmen Verhältnisse in ihrer Heimat zu verbessern. Denn sie hat früh erkannt: Bildung ist der Schlüssel. Harriet betont immer wieder, dass „es in Afrika alles gibt, Afrika braucht nur Bildung“. Sie wird auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten ihrem Ziel weiter folgen, so hat Harriet 2013 mit dem Aufbau einer Lehrwerkstatt zur Ausbildung von Mechanikern/Metallbearbeitern und Markthändlerinnen begonnen. Hier sollen Jugendliche aus Bukom, die keinerlei Schulbildung haben, praktische Kurse absolvieren und durch African Angel in einen Beruf außerhalb des Slums begleitet werden. Doch die Herausforderungen sind groß, besonders durch die unglaublichen Steigerungen der Lebenshaltungskosten in Afrika, allen voran die ständig wachsenden Lebensmittelpreise. Auch hohen Kosten für die Schulbildung der Kinder, die dreimal jährlich fälligen Schulgebühren, sind ein ständiger Sorgenbegleiter. Harriet wird sich den Problemen stellen, und wir hoffen auf viele deutsche „African Angels“, die ihr auch weiterhin helfen zu helfen.


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